
Vor- und Nachteile einfach erklärt
Der Schraubendreher gehört zu den wichtigsten Werkzeugen überhaupt. Doch wer schon einmal vor einer Schraube stand, weiß: Nicht jede Schraube lässt sich mit dem gleichen Schraubendreher lösen.
Schlitz, Phillips, Pozidriv oder Torx – jede Schraubenart wurde für einen bestimmten Einsatzzweck entwickelt. In diesem Ratgeber zeigen wir dir die wichtigsten Schraubendreher-Typen, ihre Geschichte sowie ihre Vor- und Nachteile.
Warum gibt es überhaupt verschiedene Schraubendreher?
Früher gab es fast ausschließlich Schlitzschrauben. Mit der zunehmenden Industrialisierung wurden jedoch Schrauben benötigt, die sich schneller montieren lassen, höhere Drehmomente übertragen und weniger abrutschen.
Deshalb entstanden im Laufe der Zeit verschiedene Antriebsformen – jede mit ihren eigenen Stärken.
1. Schlitz-Schraubendreher
Der Schlitzschraubendreher ist der Klassiker unter allen Schraubendrehern. Er besitzt eine gerade Klinge und passt in einfache Schlitzschrauben.
Geschichte
Die Schlitzschraube zählt zu den ältesten Schraubenformen überhaupt. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurde sie im Maschinenbau verwendet und war jahrzehntelang der Standard.
Vorteile
- einfach aufgebaut
- günstig erhältlich
- leicht zu reinigen
- ideal für ältere Möbel und historische Beschläge
Nachteile
- rutscht leicht aus der Schraube
- geringe Kraftübertragung
- Schraubenkopf wird schnell beschädigt
Typische Anwendungen
- Möbel
- Elektroinstallationen
- Restaurierung
- ältere Maschinen
2. Phillips (PH) – Kreuzschlitz
Der Phillips-Schraubendreher besitzt ein kreuzförmiges Profil und ist weltweit weit verbreitet.
Geschichte
Der Phillips-Antrieb wurde in den 1930er Jahren von Henry F. Phillips für die industrielle Serienfertigung entwickelt. Besonders die Automobilindustrie profitierte davon.
Der Vorteil damals: Die Schraube zentriert sich selbst und konnte schneller montiert werden.
Vorteile
- selbstzentrierend
- einfache Handhabung
- weit verbreitet
- günstig
Nachteile
- kann bei hoher Belastung herausrutschen (Cam-Out)
- für hohe Drehmomente weniger geeignet
Typische Anwendungen
- Haushaltsgeräte
- Möbel
- Elektronik
- ältere Fahrzeuge
3. Pozidriv (PZ)
Der Pozidriv-Antrieb sieht dem Phillips sehr ähnlich, besitzt jedoch zusätzliche feine Flanken.
Viele Heimwerker verwechseln beide Systeme.
Geschichte
Pozidriv wurde in den 1960er Jahren entwickelt, um die Schwächen des Phillips-Systems zu beseitigen.
Durch die zusätzliche Verzahnung kann deutlich mehr Kraft übertragen werden.
Vorteile
- höheres Drehmoment
- weniger Abrutschen
- längere Lebensdauer der Schrauben
- besonders beliebt im Holzbau
Nachteile
- nicht kompatibel mit Phillips
- falscher Schraubendreher beschädigt Schraube und Werkzeug
Typische Anwendungen
- Holzschrauben
- Spanplattenschrauben
- Möbelbau
- Innenausbau
Phillips oder Pozidriv?
Obwohl beide ähnlich aussehen, unterscheiden sie sich deutlich.
| Phillips | Pozidriv |
|---|---|
| 4 Flanken | zusätzliche Nebenflanken |
| rutscht bewusst früher heraus | deutlich besserer Halt |
| ältere Schrauben | moderne Holzschrauben |
Ein häufiger Fehler ist die Verwendung eines PH-Schraubendrehers in einer PZ-Schraube.
4. Torx (TX)
Der Torx-Antrieb besitzt eine sternförmige Kontur mit sechs Rundungen.
Heute zählt Torx zu den beliebtesten Schraubenantrieben.
Geschichte
Torx wurde 1967 von Camcar Textron entwickelt.
Ziel war es, deutlich höhere Drehmomente ohne Beschädigung der Schraube übertragen zu können.
Vorteile
- sehr hohe Kraftübertragung
- kaum Abrutschen
- lange Lebensdauer
- ideal für Akkuschrauber
Nachteile
- spezieller Schraubendreher notwendig
- mehr Größen erforderlich
Typische Anwendungen
- Maschinenbau
- Fahrräder
- Autos
- Möbel
- Holzbau
- Elektrowerkzeuge
5. Innensechskant (Hex)
Der Innensechskant wird häufig auch als Inbus bezeichnet.
Der Schraubendreher besitzt einen sechseckigen Querschnitt.
Geschichte
Innensechskantschrauben wurden Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt und ermöglichten versenkte Schraubenköpfe.
Vorteile
- hohe Kraftübertragung
- platzsparender Schraubenkopf
- ideal bei engen Platzverhältnissen
Nachteile
- kann bei Verschleiß rund werden
- Schmutz im Schraubenkopf erschwert das Arbeiten
Typische Anwendungen
- Möbel
- Fahrräder
- Maschinen
- Modellbau
6. Vierkant (Robertson)
Der Robertson-Antrieb besitzt einen quadratischen Schraubenkopf.
In Europa ist er eher selten, in Kanada dagegen Standard.
Geschichte
Erfunden wurde das System 1908 vom Kanadier Peter Lymburner Robertson.
Durch den sicheren Sitz blieb die Schraube sogar ohne Magnet am Schraubendreher hängen.
Vorteile
- sehr sicherer Halt
- kaum Abrutschen
- hohe Kraftübertragung
- Schraube bleibt am Werkzeug
Nachteile
- in Europa selten
- begrenzte Auswahl
Typische Anwendungen
- Holzbau
- nordamerikanische Möbel
- Holzterrassen
7. XZN (Spline)
Der XZN-Antrieb besitzt eine Innenverzahnung mit mehreren Zähnen und wird häufig auch Vielzahn genannt.
Geschichte
Der Antrieb wurde speziell für hochbelastete Schraubverbindungen im Fahrzeug- und Maschinenbau entwickelt.
Vorteile
- extrem hohe Drehmomente
- sehr sichere Kraftübertragung
- kaum Verschleiß
Nachteile
- ausschließlich Spezialwerkzeug
- für Heimwerker eher selten
Typische Anwendungen
- Antriebswellen
- Zylinderköpfe
- Fahrwerke
- Nutzfahrzeuge
Welcher Schraubendreher ist der beste?
Das hängt vom Einsatzgebiet ab.
| Schraubendreher | Geeignet für |
|---|---|
| Schlitz | ältere Schrauben und einfache Anwendungen |
| Phillips (PH) | universelle Kreuzschlitzschrauben |
| Pozidriv (PZ) | Holzbau und Möbelmontage |
| Torx (TX) | moderne Schraubverbindungen mit hohem Drehmoment |
| Innensechskant | Maschinen und Möbel |
| Robertson | Holzbau, besonders in Nordamerika |
| XZN (Spline) | Fahrzeug- und Maschinenbau |
Fazit
Jeder Schraubendreher-Typ wurde entwickelt, um bestimmte Anforderungen zu erfüllen. Während Schlitz und Phillips viele Jahre den Standard darstellten, setzen sich heute vor allem Torx und Pozidriv durch. Sie ermöglichen eine bessere Kraftübertragung, reduzieren das Abrutschen und schonen sowohl Werkzeug als auch Schrauben.
Wer regelmäßig schraubt, sollte daher mehrere Schraubendreher-Typen im Werkzeugkasten haben. So lässt sich für jede Schraube das passende Werkzeug verwenden.
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