
Unterschiede zwischen Außenzirkel, Innenzirkel und Spitzzirkel
Der Federzirkel gehört zu den klassischen Anreiß- und Messwerkzeugen und wird seit vielen Jahrzehnten im Metallbau, Maschinenbau und in der Werkstatt eingesetzt. Durch seine stabile Federmechanik lassen sich die Zirkelbeine besonders fein einstellen und sicher fixieren. Dadurch eignet sich ein Federzirkel hervorragend zum Übertragen von Maßen, Anreißen von Kreisen oder zum Messen von Innen- und Außendurchmessern.
Je nach Ausführung unterscheidet man zwischen Außenzirkeln, Innenzirkeln und Spitzzirkeln mit auswechselbaren Messspitzen. Obwohl sie ähnlich aufgebaut sind, unterscheiden sich ihre Einsatzgebiete deutlich.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie Federzirkel funktionieren, welche Varianten es gibt und welcher Zirkel sich für welche Aufgabe eignet.
Was ist ein Federzirkel?
Ein Federzirkel ist ein Präzisionswerkzeug zum Messen, Anreißen und Übertragen von Abständen. Im Gegensatz zu einem einfachen Gelenkzirkel wird die Öffnungsweite nicht nur über das Gelenk eingestellt, sondern zusätzlich durch eine Blattfeder und eine Feingewindespindel geregelt.
Dadurch bleibt die eingestellte Öffnung auch bei häufigem Arbeiten konstant.
Federzirkel werden unter anderem verwendet für:
- Anreißarbeiten
- Kontrollmessungen
- Übertragen von Maßen
- Einstellen von Radien
- Prüfen von Innen- und Außendurchmessern
- Anfertigen von Kreisen
Aufbau eines Federzirkels
Alle Federzirkel besitzen einen ähnlichen Aufbau.
Blattfeder
Die Feder hält beide Zirkelbeine unter Spannung.
Dadurch entsteht eine gleichmäßige Klemmkraft.
Feingewindespindel
Über die Stellschraube kann die Öffnung sehr präzise eingestellt werden.
Schon kleine Drehbewegungen verändern den Abstand der Spitzen.
Stellmutter
Mit der Mutter wird die Einstellung fein reguliert und sicher fixiert.
Zirkelbeine
Je nach Ausführung besitzen die Zirkel unterschiedliche Spitzen oder Messflächen.
Warum besitzt ein Federzirkel eine Feder?
Die Feder sorgt dafür, dass sich die Zirkelbeine gleichmäßig bewegen.
Im Gegensatz zu einfachen Gelenkzirkeln entstehen dadurch:
- präzisere Einstellungen
- kein unbeabsichtigtes Verstellen
- gleichmäßiger Anpressdruck
- höhere Wiederholgenauigkeit
Gerade beim Anreißen macht sich dieser Vorteil deutlich bemerkbar.
Der Außenzirkel
Der Außenzirkel dient zum Messen von Außenmaßen.
Die gebogenen Messschenkel umschließen das Werkstück von außen.
Typische Anwendungen
Mit einem Außenzirkel lassen sich beispielsweise messen:
- Wellendurchmesser
- Rundmaterial
- Rohre
- Bolzen
- Lager
- Drehteile
Anschließend wird das Maß häufig mit einem Messschieber oder einer Bügelmessschraube verglichen.
Vorteile
- schnelles Prüfen von Außendurchmessern
- ideal für Drehmaschinen
- robuste Bauweise
- einfache Handhabung
Nachteile
- keine direkte Maßanzeige
- Vergleichsmessung erforderlich
Verwendungsbeispiel Außenzirkel
Ein Dreher fertigt eine Welle auf der Drehmaschine.
Während des Drehens kontrolliert er regelmäßig den Außendurchmesser mit dem Außenzirkel.
Anschließend misst er den eingestellten Abstand mit einer Bügelmessschraube nach.
So kann der gewünschte Durchmesser schrittweise erreicht werden.
Der Innenzirkel
Der Innenzirkel arbeitet genau umgekehrt.
Seine Messschenkel werden innerhalb einer Bohrung angesetzt.
Dadurch lässt sich der Innendurchmesser bestimmen.
Typische Anwendungen
- Bohrungen
- Buchsen
- Lageraufnahmen
- Rohre
- Nuten
- Innenkonturen
Vorteile
- ideal für Innenmaße
- schnelle Vergleichsmessung
- auch an schwer zugänglichen Stellen einsetzbar
Nachteile
- keine direkte Maßanzeige
- etwas Übung erforderlich
Verwendungsbeispiel Innenzirkel
Nach dem Bohren einer Lageraufnahme wird der Innenzirkel in die Bohrung eingesetzt.
Der Zirkel wird so eingestellt, dass beide Messspitzen die Bohrungswand leicht berühren.
Anschließend wird der Abstand mit einem Messschieber oder einer Bügelmessschraube gemessen.
Der Spitzzirkel mit auswechselbaren Messspitzen
Der Spitzzirkel unterscheidet sich deutlich von Innen- und Außenzirkel.
Er dient nicht in erster Linie zum Messen, sondern zum Anreißen und Übertragen von Maßen.
Besonders praktisch sind Modelle mit auswechselbaren Messspitzen.
Je nach Aufgabe können verschiedene Spitzen eingesetzt werden.
Typische Anwendungen
- Kreise anreißen
- Radien übertragen
- Maße übertragen
- Blechbearbeitung
- Metallbearbeitung
- Holzbearbeitung
- Kunststoffbearbeitung
Vorteile
- vielseitig einsetzbar
- verschiedene Spitzen möglich
- sehr präzises Anreißen
- hohe Flexibilität
Nachteile
- weniger für Vergleichsmessungen geeignet
- Spitzen müssen regelmäßig kontrolliert werden
Verwendungsbeispiel Spitzzirkel
Ein Metallbauer möchte eine Lochreihe auf einer Stahlplatte anzeichnen.
Mit dem Spitzzirkel überträgt er den gewünschten Abstand mehrfach auf das Werkstück.
Anschließend können die Bohrungen exakt gesetzt werden.
Ebenso eignet sich der Spitzzirkel zum Anreißen großer Kreise oder Radien, beispielsweise auf Holzplatten oder Blechen.
Außenzirkel, Innenzirkel oder Spitzzirkel – Die Unterschiede
| Eigenschaft | Außenzirkel | Innenzirkel | Spitzzirkel |
|---|---|---|---|
| Außendurchmesser messen | ✔ | ✘ | ✘ |
| Innendurchmesser messen | ✘ | ✔ | ✘ |
| Maße übertragen | ✔ | ✔ | ✔ |
| Kreise anreißen | ✘ | ✘ | ✔ |
| Radien anreißen | ✘ | ✘ | ✔ |
| Vergleichsmessung | ✔ | ✔ | bedingt |
| Auswechselbare Spitzen | selten | selten | ✔ |
Typische Einsatzbereiche
Federzirkel finden sich in zahlreichen Berufen und Werkstätten.
Unter anderem werden sie verwendet in:
- Metallbau
- Maschinenbau
- Werkzeugbau
- Schlosserei
- Feinmechanik
- Modellbau
- Holzverarbeitung
- Dreherei
- Fräserei
- Ausbildung
Warum werden Federzirkel heute noch verwendet?
Obwohl digitale Messschieber heute weit verbreitet sind, haben Federzirkel weiterhin ihre Berechtigung.
Sie bieten einige Vorteile:
- keine Batterie
- robust
- langlebig
- einfache Bedienung
- schnelles Arbeiten
- ideal für Vergleichsmessungen
- hohe Wiederholgenauigkeit
Gerade an konventionellen Drehmaschinen gehören Außen- und Innenzirkel noch immer zur Standardausrüstung.
Tipps für präzises Arbeiten
Damit ein Federzirkel zuverlässig arbeitet, solltest du einige Punkte beachten:
- Spitzen sauber halten.
- Stellspindel regelmäßig leicht ölen.
- Werkstück vor dem Messen reinigen.
- Nicht mit Gewalt auf das Werkstück drücken.
- Einstellung nach dem Fixieren nochmals kontrollieren.
- Spitzen regelmäßig auf Verschleiß prüfen.
Pflege und Wartung
Federzirkel benötigen nur wenig Pflege.
Empfohlen wird:
- nach Gebrauch reinigen
- leicht einölen
- trocken lagern
- Stellgewinde sauber halten
- Spitzen vor Beschädigungen schützen
Bei guter Pflege begleiten hochwertige Federzirkel ihren Besitzer oft über viele Jahre.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wofür wird ein Außenzirkel verwendet?
Ein Außenzirkel dient zur Vergleichsmessung von Außendurchmessern, beispielsweise an Wellen, Rohren oder Drehteilen.
Wofür eignet sich ein Innenzirkel?
Mit einem Innenzirkel lassen sich Bohrungen, Lageraufnahmen oder Innenkonturen schnell kontrollieren und Maße übertragen.
Was ist der Vorteil eines Spitzzirkels?
Ein Spitzzirkel eignet sich hervorragend zum Anreißen von Kreisen, Radien und zum Übertragen von Maßen. Modelle mit auswechselbaren Messspitzen bieten zusätzliche Flexibilität für unterschiedliche Materialien und Anwendungen.
Zeigt ein Federzirkel ein Maß direkt an?
Nein. Federzirkel sind Vergleichsmessgeräte. Das eingestellte Maß wird anschließend beispielsweise mit einem Messschieber oder einer Bügelmessschraube bestimmt.
Fazit
Federzirkel gehören zu den klassischen Mess- und Anreißwerkzeugen und überzeugen durch ihre präzise Einstellbarkeit und robuste Bauweise. Der Außenzirkel eignet sich ideal zum Prüfen von Außendurchmessern, der Innenzirkel zur Kontrolle von Bohrungen und Innenmaßen. Der Spitzzirkel mit auswechselbaren Messspitzen ist die richtige Wahl für präzises Anreißen, das Übertragen von Maßen sowie das Zeichnen von Kreisen und Radien. Zusammen bilden sie ein vielseitiges Werkzeugsortiment für Metallbearbeitung, Maschinenbau, Holzverarbeitung und viele weitere handwerkliche Anwendungen.
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